Mission: Makeover by Trinny and Susannah - oder: Neue Kleider, neues Leben?

Shownotes

In dieser Episode von "Stopp mal, der Mutter-Tochter-Talk" begrüßen die beiden Hosts, Mutter und Tochter, die Zuhörer und stellen ihr Konzept vor: Während gemeinsamer Serien- und Filmabende drücken sie regelmäßig die Stopptaste, um über Themen zu sprechen, die sie persönlich berühren. Im Mittelpunkt dieser Folge steht die Reflexion über die britische Umstyling-Show von Trinny und Susannah, wobei die Hosts ihre eigenen Erfahrungen und Sichtweisen zum Thema Selbstwert, Mode und persönliche Entwicklung einbringen.

Zu den Höhepunkten der Episode zählen die emotionale Schilderung der Wirkung von Umstyling-Shows auf das Selbstwertgefühl, persönliche Anekdoten zu eigenen Mode-Transformationen, die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen sowie die inspirierende Diskussion über den Ursprung und die feministische Bedeutung des L'Oréal-Slogans "Weil ich es mir wert bin".

Am Ende der Episode fassen die Hosts die wichtigsten Erkenntnisse zusammen, betonen die Bedeutung von Authentizität und Selbstakzeptanz, geben inspirierende Zitate weiter und laden die Zuhörer ein, auf Instagram vorbeizuschauen – insbesondere, um das angekündigte Frisurenbild zu sehen und sich an der Diskussion zu beteiligen.

Transkript anzeigen

00:00:03: Stopp mal, der Mutter-Tochter-Talk.

00:00:06: Beim Serien-Winchen und Filme schauen, die Stopptaste drücken und

00:00:10: quatschen.

00:00:11: Weil uns vom Bildschirm gerade was anspringt.

00:00:13: Dass uns irgendwie an uns erinnert.

00:00:15: Machen wir ständig.

00:00:19: Zwei Generationen.

00:00:20: Und zufällig

00:00:21: verwandt.

00:00:23: Hallo und grüß Gott, ich begrüße euch.

00:00:25: wieder zu unserem Podcast.

00:00:27: Stopp mal, der Mutter-Tochter-Talk.

00:00:29: Und bei mir ist wie immer meine Tochter Sophie.

00:00:32: der introvertierte und nur halb extrovertierte Part.

00:00:36: Das, ja, weiß ich, überlege ich gerade, ob ich das unterstrahlen kann oder nicht.

00:00:40: Genau.

00:00:41: Und das habt ihr jetzt mittlerweile schon mitbekommen.

00:00:44: Unser Stoppmal bedeutet, wir beide pinchen Serien und Filme rauf und runter, haben ständig diese Fernbedienung in der Hand, drücken die Stopptaste dauernd, weil wir ständig irgendwas zu bequatschen haben, was da gerade am Bildschirm so abgeht und eventuell hat es was mit uns zu tun, es hat immer irgendwie mit uns zu tun.

00:01:02: Ja.

00:01:03: Und was haben wir heute mitgebracht?

00:01:04: Ich glaube, es ist eine... Kann man das Serien nennen?

00:01:07: Das

00:01:07: kann man Serien nennen.

00:01:08: Okay.

00:01:09: Dann ist es eine Serie, die wir... Es ist eine ganze Weile her, dass wir sie geguckt haben.

00:01:12: Ich wollte es auch sagen.

00:01:13: Also, normalerweise gucken wir unsere Serien ja wieder und wieder und wieder.

00:01:17: Also, Gilmour Girls jeden Herbst.

00:01:19: Ja.

00:01:19: Kann man loslegen.

00:01:20: Ossi Kalifornia dann im Sommer.

00:01:23: Aber ich glaube, die haben wir wirklich seit Ewigkeiten nicht mehr angeguckt.

00:01:26: Aber es sind so ein paar prägende Momente, die ich wirklich noch ganz im Kopf habe.

00:01:30: Es ist hängen geblieben.

00:01:31: Und zwar, jetzt werde ich mal hier einsteigen.

00:01:35: Also, wir reden heute über Trini und Susanna.

00:01:38: Ich weiß jetzt gar nicht, Trini Woodle und bei Susanna weiß ich den Nachnamen gar nicht.

00:01:42: Das waren oder sind zwei britische Stylistinnen und die hatten so verschiedene Serien, haben auch ein Buch geschrieben und ihre berühmteste Serie war What Not To Wear.

00:01:52: Ich glaube, die gibt es sogar immer noch mit anderen Leuten und... Die, die uns so begeistert hat, war die Serie, wo sie auf den Straße gehen und einfach Leute anhalten, die vielleicht, wie man das sagen soll, nicht den extrovertiertesten Style hatten.

00:02:11: Aber es ging auch darum, die sich vielleicht nicht so gerne gezeigt haben, die vielleicht nicht sehr selbstbewusst durch die Piazen gelaufen

00:02:18: sind.

00:02:18: Ich fand wirklich, da waren auch welche dabei, die so ein bisschen verloren gewirkt haben.

00:02:23: Übrigens ... Überwiegend Frauen, ja, aber auch Männer.

00:02:26: Haben Sie

00:02:27: auch Männer gemacht?

00:02:27: Natürlich.

00:02:28: Erinnere ich mich.

00:02:29: Ja, ja.

00:02:30: Genau.

00:02:31: Ja, genau.

00:02:31: Und dann haben Sie die quasi transformiert durch Make-up Haare, vor allem durch Klamotten.

00:02:38: Also so eine ganz billige Platte-Umstyling-Show.

00:02:41: Ja, und das ist auch das Ende der Folge.

00:02:43: Modest toll und bis dann.

00:02:45: Also,

00:02:46: sie heißt, das haben wir noch gar nicht verraten.

00:02:48: Wie heißt?

00:02:49: Makeover, oder?

00:02:50: Äh, ja.

00:02:52: Genau.

00:02:52: Ja.

00:02:52: Haben wir noch nicht gesagt.

00:02:54: Und was uns so bewegt hat, war nicht unbedingt die Mode.

00:02:57: Ich glaube auch, wenn man heute das noch mal angucken würde, weil das war ja, ich weiß nicht, ob das späte zweithausender waren oder von wann die war.

00:03:04: Ich bin mir sicher, die Mode heute würde uns nicht mehr so von den Socken hauen.

00:03:09: Aber es ging gar nicht darum, was die angehabt haben und wie das aussah.

00:03:12: Es ging darum, dass diese Menschen teilweise das erste Mal angesehen werden, dass den Empathien gegen gebracht wird und dass sie sich auch das erste Mal sehen oder auf eine andere Art und Weise sehen.

00:03:23: Da sind wir jetzt schon relativ weit vier.

00:03:25: Ja, und ich finde, ich würde gerne nochmal kurz darauf zurückkommen, wer angehalten worden ist, weil ich habe so ein paar Sachen, die mir einfach in Erinnerung geblieben sind.

00:03:33: Zum Beispiel eine junge Mutter.

00:03:37: Eine glückliche junge Mutter, glücklich verheiratet, alles ganz wunderbar, die aber tatsächlich, also wenn ich jetzt sage, so ein bisschen verwahrlos aussieht, dann meine ich das wirklich im liebevollsten Sinne, weil sie gesagt hat, sie freut sich so sehr über das Kind und da sitzt dann so ein Porpo, von der Porpen in dem Kinderwagen

00:03:54: rausgeputzt

00:03:55: und mit Kleidchen und Schleifchen und Spängelchen im Haar und so.

00:03:58: Und die Mutter eben gar nicht mehr.

00:04:01: Und die hat sich total, selber total vergessen, über dieser Freude Mutter zu sein, da wurde jetzt alles quasi nur noch auf die Tochter projiziert.

00:04:10: Ist ja jetzt auch nicht das Schlechteste, aber das war so eine, die ich noch im Gedächtnis habe, weil sie sagte, ach, um mich geht's doch jetzt gar nicht mehr, es geht doch jetzt um mein Kind.

00:04:18: Wie war das bei dir?

00:04:20: gar nicht so.

00:04:20: Also, du weißt ja, ich hab natürlich mit Klamotten geschwägt bei dir als Mädchen insbesondere, aber nee, das war nicht so.

00:04:27: Vielleicht auch durch meinen Beruf, da bin ich natürlich immer irgendwie mehr oder weniger angezogen.

00:04:32: Wobei, wie du weißt, wenn ich...

00:04:33: Kühlt das so angezogen bist, oder?

00:04:34: Wenn ich nicht vor die Tür muss, also vor allem so Schreibphasen oder wenn viel Textarbeit ist, also an Tagen, wo ich weiß, ich bin zu Hause, da hätte ich viele davon und müsste nicht zwischendurch immer wieder ins Studio, würde ich ja total verlottern.

00:04:47: Das weiß ich schon.

00:04:48: Dann war... Zum Beispiel erinnerst du dich, es gab so ein Paar, so einen Mutter-Tochter-Klohn.

00:04:55: Ja, die warten vielleicht, dass sie abstand, sahen identisch aus, die Mutter nur ein bisschen älter und die Tochter hat gesagt, sie trägt ja die alten Sachen ihrer Mutter auf.

00:05:06: Ja, das fand die auch völlig in

00:05:07: Ordnung.

00:05:10: Ja, ich erinnere mich dunkel, da muss man dazu sagen, ich trage ja viele Klamotten von dir.

00:05:15: Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

00:05:17: und es ist richtig, richtig mies,

00:05:20: weil

00:05:21: ich immer wieder, wenn ich die Klamotten wechsle, also herbst Winter, dann kommt das runter in Kellerschrank, Sommer rauf und umgekehrt, sortier ich Sachen aus.

00:05:29: Und ich mir denke, Mensch, die hast du wieder das ganze Jahr nicht angehabt, dann tu sie doch mal weg.

00:05:34: Und dann sagt die Sophie, gib sie mir rauf, ich such mal raus, vielleicht brauch ich noch was davon.

00:05:38: Und trägt sie.

00:05:39: Und trägt sie.

00:05:40: Und ich denke mir, hm.

00:05:43: Sieht ja ziemlich gut aus.

00:05:45: Ja?

00:05:46: Und dann sage ich, sieht ziemlich gut aus, sagt die Sophie.

00:05:48: Ja, kannst du ja gerne wiederhaben, wenn du es möchtest.

00:05:52: Ja, gib das Sack oder doch mal rüber.

00:05:54: Und dann habe ich selber wieder an und denke mir, so gut sieht es eigentlich gar nicht aus an mir.

00:06:01: Weil die Gemeinheit ist nämlich, dass du mit deiner ziellichen kleinen winzigen Figur auch diese Oversize-Sachen... Und die sehen hinreißend aus, was an mir, wo du sagst, ist ganz okay.

00:06:12: Und an dir ist es irgendwie, ich weiß nicht, ein Event.

00:06:14: Das

00:06:15: hat so keinen, ich würde es nicht eufeln.

00:06:16: Lass es mal so stehen.

00:06:18: Aber gut, auch das ist so eine Sache, also die abgelegten Sachen, das waren jetzt aber keine Sachen, wo du sagst, die feiere ich, sondern halt wirklich so eine ganz graue Alltagskluft.

00:06:30: Oder eben, das gab es oft, ich sage jetzt einfach mal, Frauen, ich bleibe mal bei Frauen.

00:06:35: die viel abgenommen hatten und immer noch in ihren großen, weiten Kleidern rumgelaufen sind, weil sie in diesem neuen Körper, den sie plötzlich hatten, noch gar nicht angekommen waren.

00:06:46: Und auch das waren die, die sie ganz oft angesprochen haben.

00:06:51: Ich finde so Menschen, die vielleicht auch ein bisschen verloren gewirkt haben oder ein bisschen abgestumpft oder stiller oder ... Das ist sehr schwierig zu beschreiben, aber du weißt ungefähr, was ich meine.

00:07:09: Also das sind die, die sie schon mal ausgesucht haben, die sie angesprochen haben, ob sie nicht Lust hätten und so.

00:07:14: Und dann sind sie mit ihnen.

00:07:15: ja in dieses, war irgendwie so eine Halle, wie ein großes Studio, wo diese ganzen Klamotten-Ständer auch schon mal waren und die Stylisten gewesen sind, Haare, Make-up und so weiter.

00:07:25: Und das war für mich, war dieses Vorher der allerbewegendste Moment.

00:07:31: Da saß ich oft weinend am Sofa, das weißt du?

00:07:34: Ich weiß nicht.

00:07:36: Weil ich das in mir drin, dieses Gefühl, da hatte ich eine Kurspendenz, ich hab's so gut verstanden.

00:07:42: Die Frauen wurden dann, niemand wurde gezwungen, aber sie haben das schon gemacht, waren quasi dann nur noch in Unterwäsche für sich allein.

00:07:50: Natürlich lief da wohl eine Kamera mit, sonst hätten wir's nicht gesehen, aber sie haben bestimmt noch mal entscheiden dürfen, wollen wir das zeigen oder nicht.

00:07:56: Sie waren dann nur in Unterwäsche in so einer ... kann man, sage ich mal, mit Spiegel und haben sich zum ersten Mal seit langer Zeit vielleicht ganz bewusst ihren Körper, ihr Gesicht, alles in diesem Spiegel betrachtet.

00:08:13: Da wird mir, wenn ich das erzähle, nein, gleich wieder ganz anders, weil da kam oft so eine Mischung hoch aus.

00:08:21: Scham

00:08:23: und Sehnsuch.

00:08:24: Ja, entschuldige.

00:08:27: Ich hab dieses Gefühl des Ungenügens, dass so viele Leute abgespeichert haben.

00:08:32: Das hat ja gar nicht unbedingt mit Aussehen zu tun.

00:08:35: Das ist ja nur eine Möglichkeit.

00:08:38: Das hab ich so verinnerlicht.

00:08:39: Ich will jetzt gar keine ganz langen Monolog halten, aber ich würde an der Stelle ganz gerne kurz die Geschichte von diesem Bild, das ... Jetzt niemand sieht, weil es auf der Rückseite des Schrankes hängt, da wo wir sitzen.

00:08:51: Aber ich würde es auf Instagram zeigen und auch die Malerin Miriam, Pietern, Jelly, gerne verlinken.

00:08:58: Dieses Gefühl nicht zu genügen, ist mir von Kindheit an mitgegeben gewesen und ich gesunde wirklich jetzt spät erst langsam daran.

00:09:07: Für mich hat sich das nicht optisch geäußert, sondern darin, dass ich immer das Gefühl hatte, egal, was ich tue, es muss mehr sein, egal, was ich gebe, es muss mehr sein, weil nur ich alleine, das ist nicht genug.

00:09:22: Und da gab es doch diese Episode, wie ich mein allerersten Rom angeschrieben habe, und dann war die Buchpremiere in dieser entzückenden Seidelwille in diesem schönen alten Haus in Greffelfing.

00:09:32: Und da kam eine junge Journalistin, na sie wird hin.

00:09:36: in meinem Alter sein.

00:09:38: Ja, sie ist in meinem Alter.

00:09:39: Eine junge Journalistin,

00:09:41: die für den Merkur lokal geschrieben hat, also für das Lokalplatz dort.

00:09:47: um ein Interview zu machen über mich und über das Buch.

00:09:49: Das Erste, was ich ihr gesagt habe, ja, also Julia Fischer und mein Vater war übrigens Regisseur, der hat den Kombidienstadel erfunden und meine Mutter ist auch Schauspielerin gewesen.

00:09:59: Das war Frau Herion, hat das und das gemacht.

00:10:02: Und ich erzähle das jetzt mal nur, damit sie auch ein bisschen mehr hat, dass sie einen Mehrwert hat, gewissermaßen, weil sonst hat sie ja quasi nur mich und das Buch.

00:10:11: Und dann sagte die Miriam, die ich damals nicht kannte, sagte, Ach nein, das brauche ich alles nicht, denn wissen sie, sie sind genug.

00:10:19: Und dieser Satz, der ist mir so unter die Haut gegangen, wie die Blicke und der Zuspruch in dieser Makeover Show von Trini und Susanna diesen Frauen unter die Haut geht, wenn sie dann das erste Mal mit ihnen gemeinsam vor dem Spiegel stehlen, sie anschauen und sagen, Du hast wunderschöne Beine.

00:10:40: Das ist ja ganz toll.

00:10:41: Ich sehe ja jetzt schon, was wir draus machen.

00:10:43: Oder die Frauen, die nur auf Oberschenkel gucken und sich denken, verdammt, die sind zu dick und ihr herrliches Dekultiv völlig übersehen oder so.

00:10:50: Also wenn die dann zum ersten Mal angesehen werden mit diesem liebevollen und wohlwollenden interessierten Blick.

00:10:58: Und das war dieser Satz von der Miriam.

00:11:00: Aber nein, sie sind genug.

00:11:03: Und viele Jahre später, denn sie ist nicht nur Journalistin, sie ist in Künstlerin, sie malt.

00:11:07: Sehr schöne Bilder, viel Abstraktis auch.

00:11:10: Jetzt vor zwei Jahren, glaube ich, habe ich mir endlich von Ihrem kleinen Bild gekauft.

00:11:14: Das ist die gleiche.

00:11:16: Natürlich.

00:11:16: Das

00:11:16: habe ich nie zusammenbekommen.

00:11:18: Ach so.

00:11:18: Ja, sonst

00:11:20: macht das ja gar keinen Sinn.

00:11:21: Das ist ja noch viel.

00:11:22: Habe ich mir einen Anker gekauft?

00:11:24: Du weißt, ich liebe Anker.

00:11:25: Nämlich ein kleines Bild, eine Blume von ihr, die hier quasi um eine Ecke hängt.

00:11:29: Ich zeig Sie auf Insta.

00:11:31: Und immer, wenn ich dieses Bild anschaue, sagt es zu mir, du bist genug.

00:11:38: Es ist so wirseelig heute, ich könnte es auch weilen.

00:11:41: Diese ganze Mission Makeover Geschichte, dieses oberflächliche bisschen Umgesteile, ist eine unglaublich anrührende Geschichte, finde ich.

00:11:50: Aber gut, gehen wir mal weiter, weil dann ja noch eins passiert, also ich schließe dann ab Frauen, die ausgesucht werden.

00:11:57: Es stellt sich oft heraus, dass es eben Frauen sind, also junge Mütter, die sich ein bisschen vergessen haben oder so, aber oft sind auch Geschichten dahinter von Krankheit.

00:12:06: oder Scheidung oder Jobverlust oder Menschen sind im Umfeld gestorben.

00:12:10: Und das sind alle solche Momente, wo Menschen sich vielleicht auch aufgegeben haben oder gesagt haben, was interessiert es mich denn jetzt noch, wie ich aussehe?

00:12:19: Und dann passiert aber irgendwas mit dir, wenn dich das nicht mehr interessiert.

00:12:22: Ja.

00:12:23: Jetzt musst dringend du mal was sagen.

00:12:26: Ich könnte ja mal länger zuhören.

00:12:28: Ich finde, es geht ja nicht um Mode per See, es geht ja nicht darum, wir müssen alle gut angezogen sein.

00:12:36: Ich mag gut angezogene Leute, aber darum geht es null.

00:12:39: Es geht eben darum, dass man sich um sich selbst kümmert, dass man sich mag, dass man bei sich ist, dass man sich kennt.

00:12:46: Und das kann sich unter anderem in Mode oder dem Aussehen natürlich äußern.

00:12:52: Aber auch unterschiedlich.

00:12:54: Also ich habe eine Freundin, die jetzt auch gerade ein bisschen mehr in Style reinkommt, aber die ist, die liebt ihre Crop-Tops und Jeans und so.

00:13:01: Und ich bin eher so hier die, meine Kleidchen und Zeugs.

00:13:04: Aber das ist ja... völlig irrelevant.

00:13:06: Ich habe eine Freundin mit Undercut und Jeans, du weißt, wer ich meine.

00:13:09: Und das ist eben absolut ihr

00:13:11: Wohlfühl-Style.

00:13:12: Und in dem ist sie auch so authentisch und in sich so lebendig, dass das super aussieht.

00:13:18: Da würde keiner sagen, da muss noch was umstahlen.

00:13:21: Also das

00:13:21: ist unser Disclaimer für den Anfang.

00:13:24: Es geht nicht darum, wir müssen uns jetzt alle richtig schick machen oder was kann man jetzt aus einem rausholen und so.

00:13:29: Ja, ja, ja.

00:13:30: Darum geht das nicht.

00:13:30: Es geht wirklich ums Innere.

00:13:33: Es geht darum, kümmerst du dich um dich selbst, magst du dich selbst.

00:13:37: Und das ist einfach ein Ventil oder ein Weg, wie man das machen kann oder wie man das auch nach außen tragen kann beziehungsweise.

00:13:45: Es kann ja auch ein Katalysator sein und das sieht man ja eben, wenn die Frauen sich umgestalt das erste Mal im Spiegel sehen.

00:13:51: Dadurch, dass du äußerlich plötzlich so anders aussehst, das ist wie so ein Beschleuniger, dass dann, glaube ich, im Inneren Änderungsprozesse leichter stattfinden können.

00:14:02: Weil du eine

00:14:02: Vorstellung davon bekommst, wer du sein kannst.

00:14:05: Ja.

00:14:05: Und auch das meine ich jetzt gar nicht unbedingt auf der optischen Ebene, sondern dass du mehr sein kannst, dass du stärker sein kannst.

00:14:13: Das macht Mode in Anfangsstrichen.

00:14:15: Das macht Kleidung und Make-up schon.

00:14:18: Sie kann uns stärker machen.

00:14:19: Ja.

00:14:20: Also ich kann ja mal ein bisschen persönlich erzählen.

00:14:22: Ich habe ja... Ich habe ja einige Wode-Transformationen durchgemacht.

00:14:27: Und ich habe jede einzelne, nein, eine habe ich gehast und alle anderen habe ich genossen.

00:14:31: Die, die

00:14:31: ich von dir jetzt erzähle, die machst du nicht?

00:14:33: Ja.

00:14:35: Also gut, ganz früher hast du mich eingekleidet und dann, ich glaube, erst so irgendwie mit zwölf, dreizehn wollte man dann auch irgendwie sich schick machen und so weiter und so fort.

00:14:45: Aber so die erste krasse Transformation hatte ich so mit... Ich erst mit fünfzehn war das eigentlich.

00:14:51: Erst so vierzehn bis fünfzehn.

00:14:53: Da hatte ich mir die Haare zum Beispiel schon mal abgeschnitten.

00:14:55: Ich hatte ja früher also wirklich Haare bis zur

00:14:58: Meerjungfrist,

00:14:59: zur Hüfte.

00:15:00: Da hatte ich mir schon die Haare so Schulter lang geschnitten.

00:15:02: Das war auch ein Ding.

00:15:03: Und später habe ich sie dann teilweise in den Pixie-Cut geschnitten, also Ratze kurz.

00:15:07: Das war auch immer sehr... Ich weiß gar nicht, welches additiv ich suche, aber das war irgendwie kein additiv ein.

00:15:14: Aber es ist eine krasse Erfahrung.

00:15:16: Wenn man plötzlich... sich anders sieht, ist sehr befreiend.

00:15:19: Ich fand es wahnsinnig befreiend.

00:15:21: Aber mit fünfzehn hatte ich das erste Mal so eine krasse Mode-Transformation, weil ich über eine bekannte, eine Emo-Band, My Chemical Romance, kennengelernt habe.

00:15:30: Die

00:15:30: sind toll, die hören wir beim Autofahren in einer brüllenden Lautstarke gerne zwischen München und Leipzig.

00:15:35: Ja, weil

00:15:36: die musst du auch mit schreien.

00:15:37: Ja.

00:15:38: Und dann bin ich so in die Emo-Welt reingekommen und dann habe ich so den schwarzen und roten Eyeliner für mich entdeckt.

00:15:45: Den fandest du?

00:15:46: Scheiße häuslich, um das Wort auch in dieser Folge zu benutzen.

00:15:50: Und dann irgendwie Netzhandschuhe und Band-Shirts und so.

00:15:55: Und das war, also heute würde ich sagen eigentlich gar nicht mehr mein Stil, aber das war das erste Mal, dass ich irgendwie mutig sein konnte mit meiner Mode und mich gezeigt habe.

00:16:04: Und wirklich, es hat gesagt, ich bin da und ich bin jemand und ich scheue mich nicht, das nach außen zu tragen.

00:16:10: Und das war ich davor gar nicht.

00:16:12: Wobei du trotzdem, glaube ich, mit dem Look immer noch in eine Schiene, also da ist aber auch schon eine Community irgendwo, wo man dann dazugehörte.

00:16:20: Du warst jetzt nicht allein gegen die Welt.

00:16:22: Nee, nee, nee, nee, nee, nee.

00:16:25: Und ich glaube auch, es war gar nicht so, es war jetzt nicht mein authentischer Style und das sieht man, glaube ich, heute, dass das eigentlich nicht mein Ding war, aber die Optik, die Ästhetik ist heute nicht mehr meine.

00:16:36: Aber wofür das Ganze

00:16:37: stand?

00:16:38: Ich finde nicht, dass man in diesem Zusammenhang überhaupt von Ästhetik sprechen kann.

00:16:41: Okay, vielen Dank.

00:16:43: Aber wofür das stand, das hat mich total begeistert.

00:16:46: Einfach zu sagen, ich bin da, es ging auch ein bisschen darum.

00:16:50: Wir sind die Freaks, wir sind die, die ein bisschen anders sind.

00:16:52: Ich war nie bei den coolen Popular Kids dabei.

00:16:57: Das hat mich sehr angemacht.

00:16:59: Das fand ich super.

00:17:00: Ja, und dann, ein, zwei Jahre später, bin ich so in die Vintage-Community reingekommen.

00:17:03: Das hab

00:17:03: ich gelegen.

00:17:04: Ja,

00:17:05: und ich bin jetzt nicht jemand, der sich jeden Tag wirklich so viertziger, fünftiger, jahremäßig anzieht, aber mein Herz schlägt für die Vintage-Community schon noch sehr, auch als Historiker, historische Mode für ich super.

00:17:16: Das ist einfach meins und...

00:17:17: Und auch Starhalswald vor den Fünfzigern.

00:17:19: Ja.

00:17:20: Bisschen rein in...

00:17:22: Für das neunzehnte Jahrhundert.

00:17:23: Ja,

00:17:24: genau.

00:17:24: Also,

00:17:24: da ich nicht nähen kann, hab ich mich in so coolen, neunzehnte Jahrhundert klamotten, aber... Aber ja, das hat mich sehr begeistert und da bin ich heute auch noch drin.

00:17:33: Und

00:17:34: dürfen wir auch noch von einer Verwandlung

00:17:35: erzählen?

00:17:36: Ja, dürfen wir auch.

00:17:38: Wie sage ich das immer?

00:17:39: Das ist so ein Thema, an das man schlecht reinkommt.

00:17:44: Ich kann es nicht anders sagen, außer als ich mir mein Pixie-Cut geschnitten habe, ich habe mit Freundinnen immer Frisuren ausprobiert, dann hatte ich diesen Pixie-Cut und...

00:17:51: Entschuldige, ich muss kurz unterbrechen.

00:17:54: Erinnerst du dich an diese App?

00:17:56: Ich weiß nicht, ob ich das Foto noch habe.

00:17:58: Ich habe das.

00:17:58: Das kennt ihr.

00:17:59: Da gibt es so Apps, wo du Frisuren an die ausprobieren kannst.

00:18:01: Du mögst so ein Gesicht, irgendwie emotionslos gerade aus dem Kopf.

00:18:06: Und ich habe da eine Frise auf.

00:18:08: Wir haben uns weggeschmissen.

00:18:10: Ich

00:18:10: habe dieses Bild, glaube ich.

00:18:12: Du hast... Also, wir dürfen zurück.

00:18:13: Folgt uns auf Instagram.

00:18:14: Ich

00:18:15: bin bereit, es zu zeigen, mich zum Affen zu machen.

00:18:17: Es ist... Also, echt, da hebst du absolut Brüllen.

00:18:19: Komisch ist

00:18:20: das.

00:18:20: Es ist wirklich gut.

00:18:20: Entschuldige,

00:18:21: es war dein Pixi-Cut.

00:18:22: Nee, lass uns weiter über dieses Bild sprechen.

00:18:24: Nein.

00:18:24: Ich habe so viel zu sagen.

00:18:25: Nein, nein.

00:18:25: Also, die...

00:18:26: Ja, wir haben uns immer Frisuren gemacht, ne?

00:18:28: Und dann meinte George, also... eine meiner besten Freundinnen, aber wir waren immer Fred und George, deswegen nicht verwirrt sein, wir bleiben bei George.

00:18:36: Dann meinte George zu mir, ja, du hast dir zu kurze Haare, wir können dir nur noch Jungsfrisuren machen, und dann dachten wir uns, mach nur noch einfach mal, machen wir mich mal so zum Jungen.

00:18:46: Und das ist lange geliebt für ein, zwei Jahre, und da hatte ich einen sehr androgynen Look und mit den kurzen Haaren und hab viele Männerklamotten getragen.

00:18:53: Und

00:18:53: das Alter Ego

00:18:54: Haar.

00:18:54: Und mein alter Ego hieß und heißt Leo, und still going strong, manchmal hole ich ihn raus.

00:18:59: Und das war auch super, weil ich gemerkt habe, dass ich mich sehr, auch sehr frei und sehr mutig gefühlt habe.

00:19:10: Ich traue mich jetzt gar nicht zu sagen, als Mann, weil was würde denn das bedeuten für als Mann.

00:19:13: Aber

00:19:15: es ging, glaube ich, nicht nur darum, dass ich keine Frau war, es ging darum, dass ich nicht so bei meinem normalen Ich war, weil mein normales Ich war.

00:19:21: Er hatte auch so viele Unsicherheiten und hat sich oft auch irgendwie so heruntergeschluft gefühlt.

00:19:27: Und das Leo hatte ich diese ganzen Päckchen ja gar nicht mitzutragen.

00:19:30: Das war eine Fantasiefigur, die einfach gut drauf war und, weiß ich nicht, einfach mutig war und

00:19:36: extrem mutig war, dass du auch als Leo in die Schule gegangen bist.

00:19:40: Ja.

00:19:41: Und

00:19:42: da war diese Episode mit einer Lehrerin, wir wissen immer nicht genau, wie wir es einordnen sollen.

00:19:46: Zum Teil hat sie recht, zum anderen war es eine Unverschämtheit.

00:19:49: Wir nennen keine Namen.

00:19:50: Aber du hast, glaube ich, ein Referat gehalten als Leo.

00:19:52: Ist das

00:19:53: richtig?

00:19:53: Ja, es war kein richtiges Referat.

00:19:56: Wir mussten so kleine Abschlussvorträge halten.

00:19:59: Oberstufe war das schon.

00:20:00: Ja, das war in der Oberstufe.

00:20:01: Es war in der zwölften Klasse, weil wir hatten da so eine Woche, so eine Motto-Woche, wo man als Abschlussklasse, als Abijagern, jeden Tag ein anderes Kostüm anziehen sollte.

00:20:10: Und wir hatten ein Gender-Swap-Tag und ich dachte mir, perfekt, dann komme ich einfach S.Leo, da waren meine Haare schon so lang und ich dachte mir, egal, ich flyge sie wieder auf.

00:20:18: Also, S.Leo.

00:20:20: Ich hab versucht mit den langen Haaren und dann dachte ich mir, das geht einfach nicht, sie müssen wieder, sie müssen ab.

00:20:24: Und die ist mit uns jeweils runter in den Theaterraum gegangen.

00:20:29: Und dann hat man zu einem bestimmten Thema einen kleinen Vortrag ihr gehalten.

00:20:33: Und ja, und ich hab den gehalten.

00:20:36: Man muss dazu sagen, davor im Unterricht hat sie oft gesagt, sie hat da oft das Gefühl, ich streng mich nicht genug an.

00:20:43: Sie hat mir manchmal durch die Blume gesagt, sie hat mir gerne ne schlechtere Note gegeben, aber ich war halt gut genug.

00:20:48: Also sie kann mir gar keine schlechtere Note geben.

00:20:50: Dein Grundstil damals war schon...

00:20:52: Sehr vintage.

00:20:53: Und auch Roter-Lippenstift, Abselze und so weiter.

00:20:56: Ja, ja, also schon sehr... Sokante

00:20:58: sie dich.

00:20:58: Ja,

00:20:59: so mit hohen Schuhen und Handschüchen und Locken eingedreht, das war schon sehr... Also, manche Kinder aus der Unterschufe dachten immer, ich wär ne Lehrerin.

00:21:07: Und dann immer so, können Sie mir den Schesse fürs Klassenzimmer geben?

00:21:10: Und dann meinte ich mal so, nein, aber wenn du zu meinen Kollegen gehst, dann... Und ja, dann war ich unten mit ihr und hab den Vortrag gehalten und sie war völlig begeistert.

00:21:19: Sie hatte davor schon zu mir gesagt, im Klassenzimmer.

00:21:22: Ich kann mich jetzt gar nicht konzentrieren, weil sie das so cool fand, wie ich aussah.

00:21:26: Und dann hat sie nach dem Vortrag quasi völlig begeistert und meinte so, also, fünfzehn Punkte.

00:21:31: Und es war ja so gut.

00:21:33: Und da meinte sie, die unbedingt es Leo, oder sie wusste nicht, dass ich Leo heiße, aber die unbedingt so ins Abi rein, weil dann krieg ich eine gute Note.

00:21:43: Und das hat mir ja gar nicht gefallen, die Aussage, weil ich mir dachte, ganz ehrlich, in mir drin bin ich immer mehr oder weniger die gleiche Person, genau.

00:21:52: Es macht keinen riesen Unterschied, ob ich jetzt, ich hab mich immer Vintage-Bitch genannt, ob ich jetzt hier als Vintage-Bitch unterwegs bin oder ob ich als Leo unterwegs bin.

00:22:00: Und ich verstehe den Punkt, dass ich als Leo halt ein bisschen chilliger, da so in meinen Sessel fleht.

00:22:05: Weißt du, weil das hat eine andere Mimik und G-Stick, wenn ich als Leo unterwegs bin.

00:22:08: Ja, der Gingelnaster.

00:22:09: Sure.

00:22:11: Aber es macht keinen Unterschied, wenn ich jetzt mein Abitur schreibe.

00:22:15: Ob ich als ich oder als ob ich da jetzt dieses Männerhemd trage und meine Haare gegrillt habe oder nicht, macht doch überhaupt keinen Unterschied, wie intelligent ich bin und was für eine Leistung ich habe.

00:22:25: Und das hat dich schon so ein bisschen unterstellt, oder?

00:22:27: Ja, natürlich.

00:22:27: Also, dass du eigentlich als Vintage-Bitch, wenn du dich so nennst, bisschen doof bist.

00:22:31: Ja.

00:22:32: Und als Leo wärst du quasi der intellektuelle,

00:22:34: ähm, Typ, ja.

00:22:35: Und ich hab das Gefühl, ich wurde öfter mal so ein bisschen abgestempft, so dass es die Oberflächliche, die sich halt schick macht, ja.

00:22:41: Und weil ich das richtig scheiße fand.

00:22:43: bin ich dann so richtig vintage ins Abbie gegangen mit meinen hohen Schuhen und so ein Bleistiftkleid, weil ich mir dachte.

00:22:49: Nee.

00:22:49: Ja, finde ich nicht.

00:22:50: Ich hab das tatsächlich immer umgekehrt gemacht.

00:22:53: Zum einen finde ich es ja klug, dass man immer Dinge anzieht, man weiß, wo man hingeht und das Gefühl hat, da pass ich so ganz gut rein.

00:23:00: Oder man ist ein total extroverter Typ und sagt mir völlig egal, wo ich reinpasse, ich passe überall rein, weil das bin immer ich.

00:23:06: Da würde ich gerne hinkommen, also das wäre diese Altersfreiheit, auf die ich hintrainiere, weil das finde ich ganz grandios.

00:23:12: Aber mein Leben vorher habe

00:23:13: ich doch

00:23:13: so verbracht, dass ich immer geschaut habe, nicht so sehr auffallen und immer so ein bisschen mitschwimmen, weil ich mich dann halt einfach in der Menge im Verschwinden irgendwie sicherer gefühlt habe.

00:23:24: Ich glaube aber, das ist auch mehr, ich kann jetzt über Männer nicht reden und ich glaube, die haben ihre ganz eigenen Probleme.

00:23:30: Aber ich glaube, Frauen wird generell öfter gesagt, mach dich ein bisschen kleiner, bloß nicht zu sehr auffallen, nicht zu viel Raum einnehmen.

00:23:37: Das ist ja schon so ein Frauending.

00:23:39: Ja, das

00:23:39: ist ein Frauending.

00:23:41: Das Patriarchat lässt grüßen.

00:23:44: Ja, gut.

00:23:44: Also, ich hab noch ein großes Thema auf dem Zettel stehen, aber die Frage ist, ob wir zuerst mal kurz drüber sprechen, was eben mit den Frauen passiert ist, nachdem sie dann gemake-overt worden sind.

00:23:56: Und dann natürlich auch Offenlaufsticke laufen, dann war die Familie immer da.

00:23:59: Und war jetzt für mich gar nicht der dolzte Moment, weil, wie gesagt, der dolzte Moment war für mich das vorher, wenn sie begriffen haben, das bin ich und überhaupt mal wieder den Kontakt zu.

00:24:10: zu sich selbst, zu ihrem tiefsten Inneren aufgenommen haben.

00:24:14: Aber dann kam schon auch, also kränender Rührung und die große Freude und über.

00:24:19: Also, weil du dich halt plötzlich in einer ganz anderen, vielleicht kann man sagen, Rolle erlebst, ich weiß es nicht, darf Kleidung auch eine Rolle sein, wenn man es bewusst macht schon?

00:24:30: Ja, also ich finde, also das Wort Rolle gefällt mir nicht, weil ich finde, es muss sehr authentisch sein.

00:24:35: Auf der anderen Seite kann Mode eben extrem helfen, sich gut zu fühlen.

00:24:40: Also mit meinem runden Lippenstift habe ich mich immer sehr konfinant gefühlt.

00:24:44: Oder wenn du einen Blazer anziehst, dann fühlst du dich ganz anders wie wenn du in einem T-Shirt unterwegs bist.

00:24:49: Und

00:24:49: Schulterpolster.

00:24:50: Schulterpolster, why not?

00:24:52: Weißt du, also Mode kann viel machen und ich glaube es kann einem sehr helfen, Charakterzüge.

00:24:59: auszuleben, die man vielleicht noch nicht hundertprozentig fühlt, weißt du?

00:25:03: Also, ich finde, Mode kann in dem Sinne schon sehr helfen, zum Beispiel, dass man sich in der Arbeit professioneller fühlt.

00:25:09: Das zum Beispiel oder ich habe wenig Probleme, also ich gänne gerne meinen eleganten Sachen rum.

00:25:15: Für mich ist es super, wenn ich einfach so ein... einfach irgendwie so ein Sommerkleidchen anhab und dann sehr minimalistisch und oder doch mal irgendwie, wenn ich ein T-Shirt mit Jeans anziehe, das ist für mich eine krasse Erfahrung, weil ich das selten mache und dann fühle ich mich sehr ruhig und auch locker.

00:25:34: und das ist was, was für mich schwieriger ist, mich locker zu fühlen.

00:25:38: Deswegen Mode kann helfen.

00:25:41: Aber es sollte natürlich trotzdem authentisch sein.

00:25:43: Also auf dem Zettelchen steht tatsächlich, was passiert, dass das Überwinden von Unsicherheiten kann passieren, indem du einfach mal so richtig rausgeputzt und dich selber einfach mal einen anderen Blick auch auf deine Optik wirfst.

00:25:54: Die Optik ist nur stellvertretend eigentlich für alles, was du bist, würde ich sagen.

00:26:00: Und natürlich auch so eine emotionale Befreiung, die die Frauen teilweise dadurch erfahren haben, eben dass sie sich zum Beispiel von so alten Traumata über diese Geschichte gelöst haben zum ersten Mal drüber gesprochen haben möglicherweise.

00:26:15: Also das ist dann schon auch so ein Schritt, dass das was ausgelöst hat und dass man vielleicht so alte Dinge auch loslassen konnte und die eigene Person dann tatsächlich plötzlich wieder wertgeschätzt hat und gesehen hat, hey, ich bin so viel mehr als diese alten Lappen, die ich da in meinem Schrank hängen

00:26:31: habe.

00:26:33: Ja, absolut, weil Mode ist halt oder Modestell vertreten natürlich auch Haare-Maker, was auch immer.

00:26:39: ist, wie gesagt, habe ich sehr hilfreich, weil wir Menschen sind einfach sehr visuelle Kreaturen und das ist einfach sehr, man sieht das und man sieht den Unterschied.

00:26:49: Aber es gibt natürlich, weil es ist irgendwo eine Transformation, so ein Makeover, aber es gibt natürlich auch ganz viele andere Arten, wie man mehr zu sich selbst findet und das sollte natürlich auch erwähnt werden.

00:27:01: Mode ist nur ein Puzzle Steinchen, aber es gibt ja so viele andere Puzzle Steinchen, weil Ich bin nicht nur selbstbewusst, weil ich mein Style gut finde oder weil ich mich so oder so anziehe.

00:27:12: Alles spielt damit rein, von wie führst du deine Beziehungen oder lebst du nach deinen Werben?

00:27:19: Oder bildest du dich weiter, wenn du das möchtest?

00:27:23: Ich glaube, es gibt so viele verschiedene Pfeiler, die dazu beitragen, dass man selbstbewusst ist.

00:27:29: Aber heute wäre quasi unser, um, ja, das sieht man so, wäre Makeover, wir sprechen über diesen einen Pfeiler.

00:27:36: Absolut, aber ich finde es trotzdem wichtig, dass man nicht sagen kann, ich schmeiß mir jetzt hier irgendwie Kramotten drüber und dann fühle ich mich besser.

00:27:43: Und

00:27:43: funktioniert auch nicht, weil man ja festgestellt hat, dass viele dieser Frauen das nicht weitergemacht haben.

00:27:49: Also die waren total geflasht und dann haben sie vielleicht noch ein, zwei Mal und dann ebte das auch wieder ab.

00:27:54: Also da muss schon mehr passieren, damit dann wirklich auch innen irgendwie eine Verwandlung stattfühlen.

00:28:01: Aber ich sprach von Wertschätzung und da käme noch dieses eine große Thema, das mir so am Herzen liegt.

00:28:09: Du hattest mir einen Film, eine Dokumentation, hast du mir einen Link geschickt?

00:28:14: Ja.

00:28:15: Und erst wusste ich überhaupt nicht, was ist denn das?

00:28:17: Nun muss ich dazu sagen, meine Englischkenntnisse, mein Schulenglisch ist fürchterlich, weil ich es dann in meiner ganzen Laufbahn so gut wie gar nicht mehr gebraucht und viel zu wenig gepflegt habe.

00:28:28: Das ist ja so peinlich, wenn man das zugibt.

00:28:31: Aber die ist natürlich auf Englisch und es geht um eine Dame, die heißt Elon Spekt.

00:28:37: Sprich sie sich, Specht geschrieben, Elon Spekt.

00:28:41: Ein Jahrgang, nineteenhundert, dreihundvierzig.

00:28:43: Und diese Doku beginnt, glaub ich, bei ihr zu Hause.

00:28:46: Sie liegt im Bett, eine sehr, sehr alte Frau.

00:28:49: Liegt im Bett, schimpft und nörgelt vor sich hin.

00:28:52: Also die ist ja so richtig ein bisschen auf Krawall gebügelt.

00:28:56: Und erhält sich, glaub ich, mit dem Filmemacher, der dabei ist, diesen Film, diese Dokumentation hat.

00:29:01: Moment, ich muss mal ein Zettelchen umdrehen.

00:29:03: Sogar ein Oscarpreisträger gemacht, Ben Proudfoot heißt er.

00:29:07: Ja, diesen Film über sie gemacht,

00:29:09: guter Name.

00:29:09: Gell?

00:29:10: The final copy of Elon's spekt.

00:29:13: Ja und warum nur?

00:29:14: Himmel, wer ist denn diese Frau?

00:29:16: So mit der Zeit habe ich es dann begriffen, das ist ja eine ganz große Sache.

00:29:20: Die hat, neunzehntunderteinundsebzig, den Werbespruch kreiert, den meisten an am längsten laufenden Werbesloggen.

00:29:31: Es sind vierzig Sprachen, ist der übersetzt worden und zwar, ja, für L'Oréal.

00:29:36: weil ich es mir wert bin.

00:29:39: Ich habe das genau.

00:29:42: Und ich habe das auch diesen Werbespruch, der ja mal wieder ein bisschen abgewandelt, weil wir es uns wehrziehen, weil du usd wird und so weiter, für so eine billige Floskel gehalten.

00:29:51: Da macht halt jetzt auch wieder irgendeine Firma mit irgendeinem Spruch Werbung, bis ich diese Doku gesehen habe und verstanden habe, was da dahinter steht.

00:29:58: Die Elon hat sich ja als Werbetexterin ohnehin in dieser Zeit in einer reinen Männergesellschaft damit durchgesetzt.

00:30:07: Und das, was sie eigentlich mit diesem Werbespruch erreichen wollte, ist, die Normen, die Schönheitsnormen ihrer Zeit infrage zu stellen und die Frauen dazu zu animieren, ihre eigenen Schönheitsstandards aufzustellen und sich etwas wert zu sein.

00:30:25: Also zu sagen, das bin ich, ich bin wertvoll, ich bin nicht nur ein Anhängsel, ich bin nicht nur Ein Ausstellungsstück oder so, sondern wirklich ganz, also der Spruch hat echt Substanz, weil ich es mir wert.

00:30:38: Sehr feministisch, weil wenn man die Werbung davor anguckt, man kennt sicher auch Beispiele aus den fünftiger Jahren, wenn es um Frauenwerbung gibt oder geht Werbung für eigentlich alles, nicht nur für Beauty, ging es immer darum.

00:30:54: den Männern zu gefallen, also letzten Endes, ob es nun Prominent drin stand oder ob das nur der Subtext war.

00:30:59: Frauen haben zwei Fragen im Leben.

00:31:01: Was koche ich und was ziehe ich an?

00:31:02: Irgendwie sowas ist es.

00:31:03: Aber der Subtext war immer, du machst es für den Mann.

00:31:07: Ja, ja.

00:31:07: Und deswegen das erste Mal zu sagen, du machst es nicht für den Mann, sondern wir machen das für uns, weil wir es uns wert sind.

00:31:13: Das ist ein sehr feministischer Ansatz, also tolle Frau.

00:31:15: Also wir verlinken das auch, oder die sollte man gesehen haben, diese Doku, ich finde die ganz toll.

00:31:20: Wir sind schon so weit fortgeschritten in der Zeit, dass ich gerne wieder meine üblichen Zitate auspacken würde.

00:31:25: Hau

00:31:25: raus.

00:31:25: Hast du denn auch welche dabei?

00:31:27: Nee, nee, nee, weil ich weiß, dass du die tollen Zitate bringst.

00:31:30: Aha, okay.

00:31:30: Ja,

00:31:31: das ist eine gute Arbeitsteilung.

00:31:33: Ja?

00:31:33: Schau mal, ich habe ein sehr schönes von Rumi.

00:31:36: kennst du einen persischer Mystiker und Dichter, der sagt, sei wie ein Baum und lass die Totenblätter fallen.

00:31:45: Süß.

00:31:46: Find ich wirklich schön, wenn der Baum ist etwas lebendiges, etwas starkes im Idealfall, hat er auch starke Wurzeln, die tief in die Erde greifen und er ist ständig im Wandel durch alle Jahreszeiten, aber die Totenblätter dürfen fallen, es werden neue nachwachsen.

00:32:02: Weißt du, wie schön ich das finde?

00:32:03: Weil ich finde, Bäume sind eigentlich zu jeder Jahreszeit schön.

00:32:09: Es gibt sicher viele Leute, die sagen, Bäume sind im Winter nicht so schön, aber das stimmt gar nicht, wenn dann auch der Schnee drauf liegt und man hat diese Zeit, wo man sich sammelt und dann im Frühling wieder sprießt und dann im Sommer mit den Blättern und dann im Herbst ins Bund wird.

00:32:23: Bäume sind in jeder Phase ihres Lebens schön.

00:32:25: Das

00:32:27: Leben ist schön, ja.

00:32:28: Dann habe ich einfach Judy Garland.

00:32:30: Ja.

00:32:31: Judy hat

00:32:31: gesagt, sei immer die beste Version von dir selbst statt die zweitbeste von jemand anderem.

00:32:37: Das ist gut, weil da haben wir jetzt noch nicht so viel darüber geredet, aber...

00:32:40: Könnt ihr heute auch nicht gehen?

00:32:42: Nee, aber wir müssen mal eine Folge dazu machen, sich nicht mit anderen vergleichen.

00:32:45: Ach

00:32:45: Gott, Vergleiche.

00:32:47: Das ist sowieso das Social-Media-Ding.

00:32:49: über dies oder da, hätten wir viel zu sagen.

00:32:51: Ja, und weil die Zeit leider schon rennt, gibt es zum Abschluss einen schönen Spruch von Virginia Satir, eine amerikanische, relativ bekannte amerikanische Psychologin, die gesagt hat, wir dürfen uns nicht durch die begrenzten Vorstellungen anderer Leute definieren lassen.

00:33:07: Und ich möchte eben einen Schritt weitergehen und sagen, Wir dürfen uns auch nicht durch die begrenzten, durch unsere eigenen begrenzten Vorstellungen definieren lassen.

00:33:16: Träum groß.

00:33:19: Wer kann ich sein?

00:33:20: Wie will ich sein?

00:33:21: Wie will ich aussehen?

00:33:22: Wir bin nicht Träume groß und du wirst wachsen.

00:33:25: Also bin ich ganz sicher.

00:33:26: Absolut.

00:33:27: Und Mode kann da einfach helfen.

00:33:29: Und Mode kann da, ein Pfeiler haben wir gesagt, kann da helfen.

00:33:32: Ja.

00:33:33: So.

00:33:34: Ja.

00:33:35: War's das schon wieder?

00:33:35: Hammer's

00:33:36: wieder, ne?

00:33:36: Hammer's schon wieder mal.

00:33:38: Dann kriegst du jetzt wieder was zu essen.

00:33:39: Weil ja, immer alle paar Stunden nachgeladen.

00:33:41: Das geht immer weiter, immer weiter.

00:33:43: Ha,

00:33:43: die Damm hat ein Stoffwechsel.

00:33:45: Gut.

00:33:46: Dann verabschieden wir uns, hat uns Spaß gemacht.

00:33:49: In zwei Wochen sind wir wieder da, Dienstags.

00:33:51: Und wie gesagt, Instagram.

00:33:53: Schaut auf unseren Instagram-Account.

00:33:54: Besonders für das Frisurenbild, ne?

00:33:56: Oh,

00:33:56: bitte für das Frisurenbild.

00:33:57: Und ihr dürft Hemmungslos drunterschreiben, was ihr denkt.

00:34:00: Gefreundungsaufheuch.

00:34:02: Ja.

00:34:02: Also, tschüss bis zum nächsten Mal.

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